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Was ist mir mein Frühstückskaffee wert?

Was ist mir mein Frühstückskaffee wert?

1. Oktober 2021 - von Andrea Seitz - 0 Kommentare

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Ich liebe Kaffee. Deshalb gehe ich erstmal in die Küche und bereite eine Tasse Kaffee zu. Das hilft beim Schreiben. Zu meinen Erkenntnissen rund um den Rohstoff Kaffee, dessen Produktion und die Ungerechtigkeiten im System.

Während sich der Kaffeeduft ausbreitet, überlege ich, welche Erkenntnisse ich in den letzten Wochen und Monaten rund um das Thema „Kaffee“ gewonnen habe und was mir wichtig geworden ist. Beim Anblick des Kaffeesatzes im Filter gehe ich geistig die Stationen durch, die das Produkt bereits durchlaufen hat. Von der Kaffeekirsche am Strauch bis zur gerösteten Bohne in der Kaffeepackung sind so viele Verarbeitungsschritte nötig wie für kaum ein anderes Lebensmittel: Anbauen, ernten, sortieren, Fruchtfleisch entfernen, fermentieren, waschen, trocknen, schälen, sortieren, Qualität bestimmen, verladen, verschiffen, rösten, Mischungen zusammenstellen, verkaufen… Vieles davon ist mit zeitintensiver, manueller Arbeit verbunden.

Kaffee macht arm

Ich frage mich: Wie kann ein Produkt mit derartig viel Arbeitsaufwand so billig sein? Die traurige Antwort: Für diejenigen, die den Kaffee anbauen, ist es oft ein Verlustgeschäft. Sie sind kaum an der Wertschöpfung beteiligt. Der größte Teil des Gewinns wird nämlich bei der Verarbeitung und Vermarktung der Kaffeebohnen erzielt, nicht beim Anbau. Ein Umdenken wäre nötig - das fordern Menschen, die sich für faire Bedingungen im Welthandel einsetzen, schon seit Jahrzehnten.

Da allerdings die Marktkonzentration bei denen, die Kaffeebohnen aufkaufen, verschiffen und rösten immer weiter zunimmt, ist ein Ende des Ungleichgewichts nicht in Sicht. Stattdessen steigen die Effizienz, Verhandlungsmacht und Margen von Exporteuren und Röstern und Millionen von Kleinbauernfamilien müssen ihre Kaffeebohnen zum Schleuderpreis verkaufen.

Meine Kaffeewahl

Wenn schon die Wirtschaft - was nicht weiter verwunderlich ist - nicht darauf achtet, dass alle an der Wertschöpfungskette Beteiligten gerecht behandelt und entlohnt werden, wie sieht es dann bei mir als Konsumentin aus? Empfinde ich es als Zumutung, 10 Euro für ein 500g Päckchen Kaffee zu zahlen, nur, weil es bei Aldi das Pfund für ein Drittel des Preises gibt? Nach welchen Kriterien entscheide ich, ob mir Kaffee zu teuer ist?

Ich bin begeistert, dass es den Fairen Handel gibt! Dort habe ich viel über die Wertschöpfungskette von Kaffee und den damit verbundenen Ungerechtigkeiten und Problemen für Familien und Gemeinschaften, die vom Kaffeeanbau leben, gelernt. Gleichzeitig wird mir hier eine Produktalternative angeboten, die diesen Menschen ein besseres Einkommen ermöglicht, weil durch verschiedene Mechanismen mehr für den Rohkaffee bezahlt wird.

Direkter Handel bringt Mehrwert

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Dasselbe Ziel verfolgt der Direkthandel mit Kaffee, allerdings mit einem etwas anderen Ansatz. Seit Jahren im Aufschwung legt der Direkthandel den Schwerpunkt darauf, über bessere Qualität bessere Preise zu erzielen, die dann auch bei den Bauern und Bäuerinnen ankommen. Wie das funktioniert, wurde jüngst bei einer online-Veranstaltung mit dem Oikocredit-Partner Caravela eindrücklich erläutert. Hier wird durch enge Zusammenarbeit mit den Produzent:innen die Qualität gesteigert. Es steckt viel Arbeit darin, aber durch kontinuierliche Beratung vor Ort und Transparenz bei der Qualitätsbeurteilung und Preisgestaltung können Bauern und Bäuerinnen ihr Farm-Management verbessern und Kaffee-Qualität und Einkommen steigern. Abnehmer sind etwa 500 Röster weltweit, die den Kaffee ohne Zwischenhändler von Caravela beziehen. Diese Spezialitätenkaffees sind mit Spitzenweinen im Winzergeschäft zu vergleichen: nicht billig, aber sehr edel! Und dafür sind Gourmets dann auch bereit, einen guten Preis zu zahlen. 30 Euro für 250g Kaffee ist hier die untere Grenze. Ich bin froh, dass es diese Menschen gibt und dass die Nachfrage wächst.

Fairness und bewusster Konsum

Ich selber zähle mich nicht zu diesen Kennern. Mit meinen hauseigenen Brühmethoden kann ich die Unterschiede im Spitzensegment kaum oder gar nicht schmecken. Ich bleibe daher beim Kaffee aus dem Weltladen, weil ich überzeugt bin, dass Fairer Handel wirkt, auch wenn er nicht alle Probleme der Kaffee-Wertschöpfungskette löst.

Und noch etwas nehme ich mir vor, nämlich jede Tasse Kaffee mit Bedacht zu trinken und wertschätzend an die vielen fleißigen Hände zu denken, die mir diesen Genuss ermöglichen.

Andrea Seitz trinkt seit Jahren bewusst fairen Kaffee und fairen Espresso und macht beim Oikocredit Förderkreis Baden-Württemberg Bildungsarbeit. Der „Walk&Talk - dem fairen Kaffee auf der Spur“ ist ein neues, interaktives, corona-konformes Bildungsangebot des Förderkreises und geeinget für Fairtrade-Towns, Weltläden, Kirchengemeinden und alle Organisationen, die sich für mehr Fairness im Kaffeegeschäft einsetzen. 

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