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Warum gibt es Förderkreise (FK)?

Privatpersonen können nicht direkt Mitglied der Genossenschaft Oikocredit werden. Sie treten stattdessen einem der acht deutschen Förderkreise bei, über den sie bei Oikocredit Geld anlegen. Das gilt auch für Vereine, Stiftungen und Gemeinden, die bei Oikocredit investieren.

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Stolze Näherinnen

Eine kleine Gruppe von Müttern und erwerbslosen Frauen hat sich in Santa Teresa, einem Altstadtviertel von Rio de Janeiro, ein Lebensgrundlage aufgebaut. Das gelang auch mit Hilfe eines Kredits von Socialcred, einem Partner von Oikocredit.     

Von Bastian Henrichs, freier Journalist

Wenn Edson Pinto durch Rio Antigo geht, die Altstadt im Zentrum von Rio de Janeiro, dann kann das eine Weile dauern. Immer wieder bleibt er stehen, betrachtet Hosen, Hemden oder Taschen in den Schaufenstern der Fußgängerzone. „Schauen Sie“, er zeigt auf einen Laden für Frauenkleider, „die haben wir unterstützt. Und die da drüben auch.“ Er kennt viele der Menschen, die die Kleider hinter den Schaufenstern hergestellt haben, persönlich. Er weiß um ihre Arbeitsbedingungen und um die Schwierigkeiten, mit denen sie zu kämpfen haben, vor allem die finanziellen.

Edson Pinto ist Marketing-Direktor und Gründer von Socialcred, einer Gesellschaft, die Kleinkredite an Mittelstandsunternehmen oder Einzelpersonen im Bundesstaat Rio de Janeiro vergibt. Ein Schwerpunkt ist die Modebranche.

Taschen von Toque de MaoNicht weit entfernt, einen Hügel hinauf, vorbei an alten Kolonialhäusern und über die Kopfsteinpflasterstraßen des Stadtviertels Santa Teresa, rattert in einem weiß beleuchteten Raum die Nähmaschine zwischen den Fingern von Loucileide Mendes de Barros. Aus den Stofffetzen auf ihrem Nähtisch wird eine Tasche werden, darauf aufgestickt ein Bild des Cristo Redentor, der Christusstatue, die auf dem Corcovado-Berg über Rio de Janeiro thront. Vermutlich wird die Tasche bald einem Touristen gehören.


Loucileide, kurz Lucy, ein fröhliches Energiebündel, ist 36 Jahre alt und arbeitet seit 2005 als Näherin, seit der Gründung von „Toque de Mão“. Die Teilnehmer, meist junge Mütter, besuchten Seminare und Workshops, lernten zu nähen und den Umgang mit Materialien. Heute arbeiten zehn Frauen und ein geistig leicht behinderter Mann bei „Toque de Mão“, was so viel heißt wie „von der Hand berührt“.

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Toque de Mao

Gerade hat die Gruppe einen Auftrag fertig gestellt. Masken für den Karneval. Sie haben Milchtüten zerschnitten, die Pappe mit bunten Stoffen beklebt und mit Farben, Federn und Glitzersteinchen verziert. Dass in jeder Maske ein Stück Tetra-Pak steckt, ist nicht mehr zu erkennen. Ihre Produkte, hauptsächlich Taschen, Accessoires und bunte Kissen, die vollständig aus gebrauchten Materialien hergestellt werden, verkaufen sie in Boutiquen, Designerläden und Einrichtungsgeschäften.

Lucy arbeitete bis zur Geburt ihres Sohnes vor zehn Jahren als Hausmädchen in Leblon, einem wohlhabenderen Viertel Rios. Einen Beruf hat sie nicht gelernt. Ohne das Projekt und die Fortbildungen wäre sie Hausfrau und Mutter und müsste sich ständig Gedanken machen, wie sie die Ausbildung für ihren Sohn bezahlen soll. Heute arbeite sie gerne, sagt sie. „Wenn ich durch die Stadt gehe und in einem Laden eine Tasche sehe, die wir hier produziert haben, dann macht mich das sehr stolz.“

Ihr geht es wie vielen Frauen in Brasilien. „Was ich hier verdiene, reicht noch nicht zum Leben“, sagt sie, „aber ich bin zuversichtlich, dass wir noch mehr langfristige Aufträge bekommen. Dann wird es besser.“ Dass sie nun mit ihrer Tätigkeit das Projekt am Leben erhält und anderen Frauen, die in Zukunft dazustoßen, den Weg ebnet, motiviert sie zusätzlich.

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