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Warum gibt es Förderkreise (FK)?

Privatpersonen können nicht direkt Mitglied der Genossenschaft Oikocredit werden. Sie treten stattdessen einem der sieben deutschen Förderkreise bei, über den sie bei Oikocredit Geld anlegen. Das gilt auch für Vereine, Stiftungen und Gemeinden, die bei Oikocredit investieren.

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Im Gespräch: Peter Ohligschläger vom Mitgliederrat

Im Gespräch: Peter Ohligschläger vom Mitgliederrat

Peter Ohligschläger12. Februar 2021

Wir haben mit Peter Ohligschläger, langjähriges Mitglied von Oikocredits Westdeutschem Förderkreis und neuestes Mitglied unseres Mitgliederrates (MR) gesprochen. Peter erzählt über die Tätigkeit im Mitgliederrat und über genossenschaftliche Werte, wie beispielsweise ein offenes Ohr für die Anliegen der Mitglieder zu haben. Außerdem verrät er, was er sich für den MR und Oikocredit erhofft.

Wie sind Sie zu Oikocredit gestoßen?

Ende der 1970er Jahre – ich war frisch ordinierter Pastor der Evangelischen Kirche im Rheinland – lernte ich Oikocredits Westdeutschen Förderkreis (FK) kennen, der damals gerade neu gegründet worden war. 1981 kaufte ich dann über den FK meinen ersten Anteil für 500 Mark. Ich war ein junger Pfarrer mit relativ geringen Bezügen, und es dauerte eine Weile, bis ich genug Geld für dieses Investment gespart hatte. Ich engagierte mich damals in der Eine-Welt-Bewegung und bei ökumenischen Fragen. Daher sprach mich dieser neue Ansatz an, benachteiligte Menschen nicht mit Zuschüssen, sondern mit Darlehen zu unterstützen.

Die Gründung von Oikocredit durch den Ökumenischen Rat der Kirchen (ÖRK) war in der Tat eine weitsichtige Idee, aber gleichzeitig auch ein Kampf, um die Kirchen vom Sinn dieser Investitionen zu überzeugen. Meine eigene Kirchengemeinde war zwar gerne bereit, Oikocredit mit Zuschüssen zu unterstützen, aber generell betrachteten viele Gemeinden Investitionen bei Oikocredit als unsichere Geldanlage. Das weckte mein Interesse an sozialen und ethischen Investments. Und so machten wir uns an die Arbeit, und schließlich haben wir den Kampf gewonnen, indem der Förderkreis die Gemeinden vor Ort überzeugen konnte, über unseren FK zu investieren.

Nach dieser Zeit ging ich nach Botswana im südlichen Afrika, wo ich die andere Seite der Oikocredit-Medaille kennenlernte. In Botswana engagierte ich mich in der Jugend- und Erwachsenenbildung. In gewissem Maße erlebte ich aus nächster Nähe die Herausforderungen, mit denen das Leben in Botswana zu jener Zeit verbunden war, wie Mangel an sanitären Einrichtungen, Gesundheitsversorgung und sauberem Wasser. Da ich in einer ländlichen Gegend tätig war, erlebte ich auch einige der Probleme, denen sich Kleinbauern und -bäuerinnen gegenübersahen. Für mich war das eine wertvolle Erfahrung, um über die Entwicklungsprobleme in Afrika zu lernen.

Nach meiner Rückkehr nach Deutschland wurde ich Regionalpfarrer für Mission, Ökumene und kirchliche Weltverantwortung. Später war ich dann als Leiter des Amts für Mission, Ökumene und kirchliche Weltverantwortung (Möwe) der westfälischen Landeskirche tätig, bis ich vor zehn Jahren in den Ruhestand ging. Als Leiter von MÖWe konnte ich auf allen Ebenen meiner Kirche über Oikocredit informieren und so meine Arbeit mit meinem Engagement als Vorstandsmitglied meines Förderkreises verbinden. Die Evangelische Kirche von Westfalen ist ebenfalls Mitglied von Oikocredit, insofern ergänzte sich das sehr gut.

Was hat Sie dazu bewegt, sich in den Mitgliederrat (MR) wählen zu lassen?

Mich hat von Anfang an fasziniert, dass Oikocredit eine Genossenschaft ist. Die Idee der modernen genossenschaftlichen Bewegung entstand im 19. Jahrhundert in einer ländlichen Gegend nicht weit von meinem Wohnort, wo der Sozialreformer Friedrich Raiffeisen die erste Kreditgenossenschaft – nicht nur Deutschlands, sondern der Welt – gründete. Durch gegenseitige Unterstützung, die gemeinsame Nutzung finanzieller Ressourcen und die gemeinsame Beschaffung von Saatgut konnten die kleinen Landwirte seinerzeit eine Situation meistern, die einer Hungersnot gleichkam. Die genossenschaftliche Raiffeisenorganisation in Deutschland trägt immer noch Raiffeisens Namen.

Diese Geschichte und auch die Geschichten vieler anderer Genossenschaften sind für mich eine Quelle der Inspiration. Oikocredit unterstützt Genossenschaften in der ganzen Welt und ist natürlich auch selbst eine Genossenschaft. Als Mitglied des MR ist es mir wichtig, dass alle Stakeholder in stetigem Dialog stehen und dass die Mitglieder sich aktiv in ihrer Genossenschaft einbringen. Insofern brauchen wir meiner Ansicht nach einen Mitgliederrat, um die Position der Mitglieder innerhalb der Genossenschaft zu stärken, sodass ein offenes Ohr für die Anliegen der Mitglieder besteht.

Was genau ist die Funktion von Oikocredits Mitgliederrat?

Für eine Genossenschaft kommt es entscheidend darauf an, dass die Mitglieder sich Gehör verschaffen können – und nicht nur einmal im Jahr bei der Generalversammlung. Der Mitgliederrat (MR) ist ein Gremium, über das die Mitglieder auch zwischen den Generalversammlungen Ideen, Anliegen und Initiativen einbringen können. Der MR trägt dafür Sorge, dass diese Ideen aufgegriffen werden und nicht in Vergessenheit geraten. Als MR können wir diese Punkte auch mit dem Vorstand oder dem Aufsichtsrat ansprechen und müssen nicht bis zur nächsten Generalversammlung warten.

Der MR kann auch Informationen an die Mitglieder weitergeben (über einen Newsletter) und sie über aktuelle Themen auf dem Laufenden halten. Wir werten unsere Mitgliederarbeit aus und berichten darüber jedes Jahr auf der Generalversammlung.

Wie vertritt der MR Oikocredits Mitglieder?

Als Mitglieder des MR stehen wir in Kontakt mit Oikocredits Mitgliedern sowie den Förderkreisen in den Ländern, in denen wir jeweils leben. Gelegentlich nehmen wir auch an den Versammlungen der Förderkreise teil.

Der MR hat also eine Plattform, um die Anliegen der Mitglieder aufzugreifen. So wollen beispielsweise viele Mitglieder und auch Förderkreise wissen, wie Oikocredit mit der Covid-19-Pandemie umgeht und wie Oikocredit ihre Partner in dieser schwierigen Situation unterstützt. Nicht zuletzt haben wir auch die Ausschüttung von Dividenden an die Mitglieder angesprochen.

Was war Ihr erster Eindruck des MR?

Zunächst einmal gab es allerhand für mich zu lernen: die Regeln und Vorschriften und all die Abkürzungen. Vor meiner Tätigkeit für den MR habe ich mich nur beim Oikocredit-Förderkreis vor Ort engagiert – das ist also eine völlig andere Situation, wenn ich jetzt die gesamte Organisation im Blick habe und wie das alles zusammenpasst. Es ist jedenfalls sehr spannend, Teil von Oikocredit zu sein!

Bei meinem Besuch der Hauptgeschäftsstelle in Amersfoort im Jahr 2016 konnte ich bei Oikocredit bereits einen kleinen Einblick auf dieser Ebene gewinnen. Nach wie vor erfüllt es mich mit Befriedigung, dass Oikocredit an ihrer ursprünglichen Vision, ihren Werten und ihrem Auftrag festhält – und natürlich ist es toll, die engagierte Gruppe von Menschen in den Büros in Amersfoort und weltweit kennenzulernen! Das ist schon erstaunlich, und ich freue mich, dass ich als Mitglied des MR eine Rolle in dieser Organisation spielen kann.

Ich sehe auch, dass Oikocredit nicht nur an ihrer Vision, ihren Werten und ihrem Auftrag festhält, sondern eine lernende Organisation ist, die sich im Verlauf ihrer 45-jährigen Geschichte immer wieder erfolgreich einem veränderten Umfeld angepasst hat und dabei den Interessen und Bedürfnissen unserer Partner und deren Kunden und Kundinnen Rechnung trägt.

Wie gehen Sie damit um, dass momentan keine persönlichen Treffen möglich sind?

Als ich im Juni in den MR gewählt wurde, hatte ich mich darauf gefreut, mit meinen neuen Kolleginnen und Kollegen vom MR sowie den Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen im niederländischen Amersfoort zusammenzutreffen. Mit Menschen persönlich zusammenzukommen und bei einem kleinen Plausch über ihr Leben zu hören, das inspiriert mich! Aber das war natürlich nicht möglich.

Wir treffen uns zwar bei Videokonferenzen, aber das lässt sich nicht vergleichen. Oikocredit ist in gewisser Weise eine große internationale Familie, und Familien wollen einander treffen. Ich hoffe daher, dass wir bald wieder so arbeiten können.

Was erhoffen Sie sich für die Genossenschaft Oikocredit?

Als eines von vier Mitgliedern im MR bin ich Teil des aktuellen Strategiebildungsprozesses. Dies ist eine besonders spannende Zeit, und wir alle freuen uns auf die Ergebnisse.

Ich hoffe sehr, dass Oikocredit auch weiterhin an ihren Werten, ihrem Auftrag und nicht zuletzt ihrer genossenschaftlichen Kultur festhält. Ich wünsche mir, dass Oikocredit auch weiter Grassroots-Bewegungen sowie Menschen unterstützt, die Initiative ergreifen.

Der andere Punkt, der mich beschäftigt, ist Covid-19: Ich hoffe, dass Oikocredit, ihre Partner und deren Kunden und Kundinnen im Großen und Ganzen heil durch die Pandemie kommen! Auswirkungen auf Oikocredit werden sich nicht vermeiden lassen. Doch wenn wir, als Mitglieder, solidarisch zu unseren Partnern halten, werden sie es hoffentlich durch die Krise schaffen.

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