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Kompanion Bank bietet Hilfe zur nachhaltigen Selbstständigkeit

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Abdil Sydygaliev und Kymbat Kochmonova haben 500 Red Delicious Apfelbäume gepflanzt. Zuvor haben sie Viehzucht betrieben, was zeitaufwendiger und weniger ertragreich war.

13. April 2017

Die Kompanion Bank wurde 2004 mit dem Ziel gegründet, die Kreditversorgung von Kleinbäuerinnen und -bauern in Kirgisien sicherzustellen. Viele von ihnen sind in der Viehhaltung und Schafzucht tätig. Seit 2007 ist die Bank ein Oikocredit-Partner. Doch Kompanion ist keine herkömmliche Bank. Sie bietet ihren Kundinnen und Kunden nicht nur Mikrokredite, sondern auch kostenlose Schulungen zu kaufmännischen Themen sowie technische Hilfe. So fördert die Bank nachhaltige Landwirtschaft.

Ulanbek Termechikov, leitender Geschäftsführer der Kompanion Bank, erläutert das Konzept: „Zugang zu Finanzdienstleistungen ist für eine Marktwirtschaft unerlässlich. Doch nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion war dieser Weg vielen Menschen versperrt. Besonders schwierig war die Situation in ländlichen Gebieten, wo es überhaupt keine Banken gab. Davon abgesehen war die selbstständige Bewirtschaftung für viele etwas ganz Neues. Unter diesen Umständen wäre es unverantwortlich gewesen, wenn wir unseren Kundinnen und Kunden lediglich Kapital zur Verfügung gestellt hätten. Daher begannen wir im Jahr 2008, unserer Kundschaft in Schulungen kaufmännisches Wissen zu vermitteln. Gleichzeitig boten wir technische Hilfe an.“

Wissenstransfer durch Vertrauen

Zwar waren Kompanions Kundinnen und Kunden anfangs noch skeptisch, doch erkannten sie bald den Wert dieser Schulungen. Das Interesse wuchs: Während der nächsten fünf Jahre veranstalteten Kompanions landwirtschaftliche Fachberater über 12.000 Schulungen, mit denen sie mehr als 3.000 Haushalte in der Hälfte der Dörfer Kirgisiens erreichten. Heute beschäftigt Kompanion 32 Agronominnen und Agronomen sowie Tierärztinnen und Tierärzte, die in jeder Saison zehn Schulungen anbieten und kleine landwirtschaftliche Betriebe einzelfallbezogen beraten.

Dazu Geschäftsführer Ulanbek Termechikov: „Je mehr die Menschen uns vertrauten und greifbare Ergebnisse sahen, desto mehr Eigendynamik entwickelte dieser Ansatz. Das ist wichtig, weil die Nachhaltigkeit unserer eigenen Tätigkeit eines unserer Ziele ist. Dieses Konzept ist langfristig ausgerichtet.“

Langfristige Investitionen für langfristiges Wachstum

Die Eco Garden Initiative ist ein dreijähriges Schulungsprogramm, bei dem Kundinnen und Kunden den Anbau von Äpfeln in der Region um den Yssykköl, einem riesigen Bergsee, erlernen. Diese Initiative ist ein gutes Beispiel dafür, wie Kompanion finanzielle Unterstützung mit der Vermittlung von betrieblichem und technischem Wissen verknüpft.

Zur Kundschaft gehören Kymbat Kochmonova und Duishonbu Alybaer. Die beiden legten im Jahr 2008 eine Obstplantage im Dorf Chon Sary an, doch die Apfel- und Aprikosenbäume, die sie gepflanzt hatten, gediehen nicht. Nachdem sie von der Eco Garden Initiative gehört hatte, suchte das Ehepaar die örtliche Kompanion-Filiale auf, um sich zu informieren. Vom Sinn des Projekts überzeugt, schlossen sie sich einer Gruppe von 30 Landwirtinnen und Landwirten an, die ihr Wissen und ihren Erfahrungsschatz miteinander teilen, Darlehen aufnehmen und gemeinsam an Schulungen teilnehmen.

Kenesh Bukabaev, Agronom bei Kompanion, lehrte die Gruppe, wie man durch Veredlung von Bäumen leistungsfähigere Sorten züchtet. Er empfahl ihnen, größere Bäume zu pflanzen, um Bodenerosion zu vermeiden, und die Äste zu stutzen, um das Wachstum zu fördern.

Dabei besuchte Kenesh Bukabaev auch die Obstplantage von Kymbat Kochmonova und Duishonbu Alybaer und schlug ihnen neue agro-technische Methoden vor, wie beispielsweise die Umstellung seiner Plantage von Apfel- auf Aprikosenbäume, die in felsigem Boden besser gedeihen. Ferner riet er, eine Baumschule anzulegen, größere Pflanzlöcher für die Setzlinge zu graben und organischen Dünger zu verwenden.

Nachhaltige Lebensgrundlagen schaffen

Auch die Ergebnisse der einzelnen Projekte sind beeindruckend. Der Erfolg von Kompanions Ansatz zeigt sich etwa am Beispiel von Abdul Sadaliev, der ebenfalls von Schulungen der Mikrofinanzbank profitiert. Der Landwirt entschied sich für ein Darlehen sowie ein Trainingsprogramm von Kompanion, als er den Ertrag, den sein Onkel mit seiner Obstplantage erzielte, mit dem Ertrag der Viehzucht seines Vaters verglich. Der Unterschied war so deutlich, dass Abdul Sadaliev selbst von der Viehzucht zum Apfelanbau wechselte. Heute lebt die ganze Familie vom Obstanbau.

Durch Kompanions System zur Wirkungsmessung kann die Bank nachvollziehen, ob sie ihr Ziel erreicht, ihre Kundinnen und Kunden in die Lage zu versetzen, ihre Lebensumstände selbstständig zu verbessern.

„Daten aus dem Jahr 2014 zeigen, dass fast die Hälfte der Kundinnen und Kunden, die wir über die eigentlichen Finanzdienstleistungen hinaus unterstützen, ihre Lebensumstände verbessern konnten“, sagt Ulanbek. „Das ist ein gutes Ergebnis. Wir erzielen also eine positive Wirkung und das spornt uns an, noch mehr zu tun.“

Kompanion Bank erhielt zwei Kredite von Oikocredit: einer in Lokalwährung in Höhe von 328.670.300 KGS (umgerechnet etwa 4.500.000 EUR) und einer in Höhe von 1.000.000 USD.

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