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Warum gibt es Förderkreise (FK)?

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Sonnenenergie für Menschen ohne Zugang zu Bankdienstleistungen

Sonnenenergie für Menschen ohne Zugang zu Bankdienstleistungen

Off-grid electrification for Kalap Trust at Uttarkashi, Uttarkhand.jpg

Unsere Partnerorganisation E-Hands bietet Solarenergie für Bankfilialien auf dem Land in Indien. Damit begegnet das Unternehmen zwei Herausforderungen von ländlichen Gemeinschaften: der fehlende Zugang zu Finanzdienstleistungen sowie zu einer zuverlässigen Stromversorgung.

Was haben eine zuverlässige Stromversorgung und der Zugang zu Bankdienstleistungen gemeinsam? Beides sind Voraussetzungen dafür, dass Menschen ihre Lebensumstände verbessern können.

Keine zuverlässige Energieversorgung

In Indien leben rund 270 Millionen Menschen – ein Fünftel der Bevölkerung – ohne Stromversorgung. Ca. 90 Prozent der nicht an das Stromnetz angeschlossenen Gemeinschaften befinden sich in entlegenen ländlichen Gebieten. Viele dieser Haushalte sind zum Kochen und zur Beleuchtung auf Kerosin angewiesen. Das ist nicht nur teuer, sondern aufgrund der giftigen Gase auch gesundheitsschädlich.

Doch auch die Haushalte, die an das Stromnetz angeschlossen sind, erleben häufig Unterbrechungen der Stromversorgung, da die Stromerzeugung in Indien kaum mit dem wachsenden Bedarf Schritt halten kann.

Ohne Zugang zu einer zuverlässigen und erschwinglichen Stromversorgung gelingt es vielen Menschen nicht, sich aus der Armutsfalle zu befreien und ihre Lebensumstände zu verbessern.

Fehlender Zugang zu Finanzdienstleistungen

Im ländlichen Indien treffen eine mangelnde Energieversorgung und der fehlende Zugang zu Finanzdienstleistungen oft aufeinander.

Rund 87 Prozent der ärmsten Haushalte Indiens haben keinen Zugang zu Krediten, 71 Prozent verfügen über keinerlei Ersparnisse. Ein Grund dafür ist, die große Entfernung zur nächsten Bankfiliale. Banken zögern häufig, Filialen an ländlichen Standorten zu öffnen, da sie dort zur Stromversorgung auf teure Dieselgeneratoren angewiesen sind. Zudem ist für den Dieselnachschub jedes Mal eine Fahrt in eine der umliegenden Städte fällig.

Nachhaltige Lösungen

Hier setzt Oikocredits Partnerorganisation E-Hands Energy an. Das Unternehmen mit Sitz in Chennai ist auf erneuerbare Energien spezialisiert und bietet den ländlichen Filialen von Banken und Mikrofinanzinstitutionen in 15 Bundesstaaten Solar-Ministromnetze sowie Wind/Solar-Hybridsysteme an. Damit sind diese Filialen in der Lage, auch die ländliche Bevölkerung völlig umweltschonend mit grundlegenden Finanzdienstleistungen zu versorgen. Um sein Geschäft auszubauen und noch mehr Kund*innen zu erreichen, benötigte E-Hands Kapital, stieß jedoch bei herkömmlichen Geldgebern auf wenig Interesse. Grund: Der Sektor erneuerbare Energien ist in Indien noch weitgehend Neuland.

Solaranlagen auf dem Dach einer Bank im ländlichen Indien.

Gute Partnerschaften

Getreu ihrem Anspruch, die soziale Wirkung von Kleinbetrieben zu steigern, ging Oikocredit 2017 eine Partnerschaft mit E-Hands Energy ein. Konkret bedeutet das die Vergabe eines dreijährigen Darlehens in Höhe von 200.000 US-Dollar, damit E-Hands 119 ländliche Filialen der Union Bank of India mit Solarenergie versorgen kann. Union Bank of India ist eine der größten staatlichen Banken auf dem Subkontinent. Die solarbetriebenen Filialen sollen binnen drei Jahren nahezu einer Million Menschen in Bundesstaaten wie Madhya Pradesh, Andhra Pradesh, Maharashtra, Uttarakhand, Jharkhand, West Bengal und Odisha den Zugang zu Finanzdienstleistungen eröffnen.

„Uns hat gerade der doppelte Nutzen überzeugt, den E-Hand Energys solarbetriebene Versorgung ländlicher Banken bietet. Das Unternehmen reduziert nicht nur den Bedarf an fossilen Brennstoffen, sondern trägt auch dazu bei, dass einkommensschwache Bevölkerungsschichten Zugang zu Finanzdienstleistungen erhalten“, erklärt Kiran Kodi, Spezialist für erneuerbare Energien bei Maanaveeya, Oikocredits indischer Tochter:

Durch Unterstützung finanziell tragfähiger Unternehmen und Projekte, die sich im Bereich saubere Energie engagieren, will Oikocredit ein dreifaches Ziel erreichen: Deckung des steigenden Strombedarfs in unterversorgten Regionen, Verbesserung der Lebensumstände der Landbevölkerung und Bekämpfung des Klimawandels. Der Finanzierung von Initiativen zur netzunabhängigen Energieerzeugung kommt dabei zentrale Bedeutung zu. Für E-Hands bedeutet die Zusammenarbeit mit Oikocredit Zugang zu einer Kapitalquelle in Form einer Organisation, die seit Langem als glaubwürdiger, sozial engagierter Kapitalgeber etabliert ist.

Bevor Oikocredit E-Hands das Darlehen gewährte, wurde E-Hands allerdings erst einmal auf Herz und Nieren überprüft.

„Es war uns sehr wichtig, das Geschäftsmodell genau kennenzulernen und zu verstehen, wie wir E-Hands am besten helfen können, um maximale soziale Wirkung zu erreichen“, sagtKiran Kodi.

Jede Bankfiliale ist mit einer Solaranlage mit einer Leistung von einem Kilowattpeak (1 kWp) ausgestattet, sodass sie einen mobilen Internet-Hub mit fünf bis zehn Anschlüssen, ein Satellitenterminal und einen Geldautomaten betreiben können. Ein Batterie-Backup-System deckt nicht nur den Rechen- und Beleuchtungsbedarf, sondern sorgt auch für mehr als sechs Stunden Notstromversorgung und senkt gleichzeitig die Stromkosten der Filialen im Vergleich zu anderen Stromquellen, wie beispielsweise Generatoren. Jede Filiale kann ihren Stromverbrauch auch remote überwachen.

Solaranlagen im ländlichen Indien.

Ein erfolgreiches Geschäftsmodell

In weniger als einem Jahr hat E-Hands fast alle 119 Filialen mit Solaranlagen ausgestattet. Damit kann die Union Bank of India rund 35.000 Menschen in ländlichen Gegenden Finanzierungsmöglichkeiten anbieten und gleichzeitig ca. 170 Tonnen CO2-Äquivalent einsparen. Die Familien vor Ort haben jetzt praktisch direkt vor der Haustür Zugang zu Finanzdienstleitungen. Und für Kleinbetriebe sowie Bäuer*innen ist es weitaus einfacher, das für ihr Wachstum nötige Kapital aufzunehmen. Dadurch werden die Gemeinden wiederum für andere Gewerbetreibende attraktiver: Schneider, Friseure, kleine Lebensmittelgeschäfte, Internet-Cafés und Restaurants.

Mit dem Erfolg der solarbetriebenen Bankdienstleistungen wächst auch das Geschäft von E-Hands. Seit E-Hands das Darlehen von Oikocredit erhielt, konnte das Unternehmen fünf weitere Mitarbeiter einstellen. Damit beläuft sich die Zahl der Beschäftigten jetzt auf insgesamt 40.


„Durch unsere bisherigen Erfahrungen haben wir jetzt das Selbstvertrauen und die Glaubwürdigkeit, um weitere Projekte im Bereich inklusive Finanzdienstleistungen für unterversorgte Gemeinschaften durchzuführen“, sagt Raghu Chandrasekaran, Geschäftsführer von E-Hands.

Oikocredit steht in regelmäßigem Kontakt mit E-Hands und berät das Unternehmen im Hinblick auf seine langfristige Finanzierungsstrategie, die u. a. auch Kredite traditioneller Banken umfasst.

„In Oikocredit haben wir einen zuverlässigen Finanzierungspartner, der sich im Bereich saubere Energie hervorragend auskennt. Außerdem ist dies für uns eine gute Ausgangsposition, um in Zukunft auch mit anderen Sozialinvestoren zusammenzuarbeiten“, so Raghu Chandrasekaran.

Neben der Versorgung von Banken mit Solarstrom geht E-Hands auch Partnerschaften mit Basisorganisationen ein, um Privathaushalte an Mini-Solarnetze anzuschließen. Damit steht Familien eine gesündere und erschwinglichere Energiequelle zur Verfügung. Last but not least beliefert E-Hands Familien und Kleinbetriebe im ländlichen Raum mit Heimsolarsystemen für Beleuchtung. Seit seiner Gründung im Jahr 2009 hat das Unternehmen 150.000 Menschen mit sauberer Energie versorgt und so den Ausstoß von 2.500 Tonnen CO2 eingespart.

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