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Langsamer ist mehr - Rückblick auf das GUTES GELD LAB 2022

Langsamer ist mehr - Rückblick auf das GUTES GELD LAB 2022

16. März 2022 - von Corinna Groß - 0 Kommentare

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Das GUTE GELD LAB ist eine Plattform, um unser bestehendes Wirtschaftssystem kritisch zu hinterfragen und Alternativen aufzuzeigen. Das geschieht am 4. und 5. März 2022 zum zweiten Mal. Mehr als 500 Menschen interessieren sich beim GUTES GELD LAB 2022 dafür, wie unsere Gesellschaft und die (Finanz-)Wirtschaft nachhaltiger und bewusster werden kann. Ein voller Erfolg für die abwechslungs- und lehrreiche Veranstaltung.

Tag 1

Ein Lab über Entschleunigung startet man am besten mit Entschleunigung. Das tun wir mit Marte Kamzelas, sie ist Achtsamkeitslehrerin. Ihre Atem- und Entspannungsübungen lassen uns spüren: Langsamkeit und „Peace of Mind“ sind wunderbar wohltuend. Entspannt geht es weiter, unsere Moderatorin Katie Gallus spricht mit Dr. Insa Thiele-Eich. Die Klimaforscherin und angehende Astronautin erzählt von ihrem spannenden Berufsalltag und der Green-Space-Bewegung. Dabei betont sie: „Wir alle brauchen Pausen zwischen den Arbeitsblocks. Je ruhiger ich bin, desto mehr kann ich erreichen.“ 

Weiter geht es für die Teilnehmer*innen unseres Labs mit großem Kino: Der Film „Speed – auf der Suche nach der verlorenen Zeit“ nimmt uns mit auf die Suche nach einem Ausweg aus der kapitalistischen Beschleunigung. Große Lösungsansätze werden gezeigt: Das Bruttonationalglück beispielsweise, eine Entwicklungsphilosophie aus Bhutan. Dort ist Glück nicht nur an wirtschaftlichen Erfolg gebunden, sondern auch an geistige Zufriedenheit. Oder ein Landwirtschaftsprojekt in Südamerika: Dort pflanzt man Bäume, die erst in 1.000 Jahren ausgewachsen sind. Der Film zeigt auch Lösungen im Kleinen: Menschen, die aus ihrem privaten Hamsterrad ausgestiegen sind, die minimalistisch leben. Menschen, die ohne Uhr und Smartphone auskommen. Im Anschluss an die Filmvorführung haben wir den Regisseur Florian Opitz live zu Gast. Zwei Denkanstöße gibt er: Kreative, neue Konzepte wie das bedingungslose Grundeinkommen, so sagt er, sollten ausprobiert werden. Nur so würde man erfahren, ob sie im großen Stil funktionieren. Und er betont, dass man Entschleunigung auch für sich selbst praktizieren kann. Der Knackpunkt, so Opitz: „Man muss es auch wirklich tun“.

Filmgespräch

Tag 2

Wie könnte ein „Langsamer ist mehr“ in der Wirtschaft und im Finanzwesen aussehen? Dazu haben wir am zweiten Tag des LABs Expert*innen eingeladen.
In ihrer Keynote zur Rolle des Geldes im Kapitalismus beschreibt Ulrike Herrmann, Autorin und Wirtschaftsredakteurin bei der taz, wie der Übergang von Geld zu Kapital im Kapitalismus funktioniert: „Kapital ist Geld, das zu Maschinen wird, um mehr Waren zu produzieren“. Begonnen hat diese Entwicklung 1760 in der englischen Textilindustrie und führte zu dem immer mehr, immer schneller, wie wir es heute sehen. „In einer Welt mit endlichen Ressourcen kann es aber kein unendliches Wachstum geben“, so analysiert Ulrike Herrmann angesichts der Klimakrise und der zunehmenden Umweltverschmutzung. Auch neue Technologien, die die Produktion von Gütern effizienter machen, seien allein nicht die Lösung, so Herrmann. Dadurch würden zwar Ressourcen eingespart, doch ohne Veränderungen des Systems selbst führe auch Effizienzsteigerung letztendlich nur zu mehr Wachstum und befeure dadurch den Kapitalismus.

Im anschließenden Expert*innen-Talk diskutierten Ulrike Herrmann, Saidi Sulilatu von Finanztip und Dina Lorentz, Spezialistin für nachhaltige Finanzierungen und Vorstandsmitglied beim Oikocredit Förderkreis Norddeutschland, über Slow Finance als Zukunftsweg. Saidi Sulilatu runzelt beim Begriff Entschleunigung die Stirn. „Wir brauchen mehr Geschwindigkeit beim Klimawandel, mehr Energie und Ressourcen, die wir dort einsetzen.“ Gerade beim Klimaschutz komme dem Markt eine wichtige Rolle zu. Sulilatu sieht besonders ein Problem darin, dass die Umweltbelastung, die bei der Produktion und beim Konsum von Gütern entsteht, nicht angemessen eingepreist wird. Die Steuerung durch Preise erachtet Ulrike Herrmann als kritisch: „Preise sind nur stabil, solange die Wirtschaft wächst. Was kommen wird und kommen muss, ist grünes Schrumpfen.“ Dina Lorentz sieht die Lösung nicht im Deinvestieren, sondern in der Transition zu neuen, nachhaltigeren und effizienteren Geschäftsaktivitäten von Unternehmen, z.B. durch eine zirkuläre Nutzung von Wasser. Eine tragfähige Lösungsstrategie? „Effizienz ist wichtig, um Ressourcen zu sparen,“ meint Ulrike Herrmann. „Aber wenn wir nur auf Effizienzsteigerung setzen und sonst nichts ändern am System, dann wird dadurch nur der Kapitalismus und der Wachstumszwang befeuert.“ Das Resümee am Ende der spannenden Diskussion: Es gibt – und braucht wahrscheinlich auch - ganz unterschiedliche Lösungsansätzen zur Bewältigung der anstehenden Krisen!

Experten talk

Ein achtsamer Umgang mit sich und der Mitwelt ist auch ein Teil der Lösung. Nach den vielen gedanklichen Impulsen tut den Teilnehmer*innen der Achtsamkeitsimpuls vom buddhistischen Mönch Thay Phap Xa richtig gut. Er nimmt uns mit auf den Weg in ein entschleunigteres Leben: „Wenn wir immer nur hetzen, verpassen wir viele Möglichkeiten. Zeit ist nicht nur da, um Geld zu verdienen. Sondern auch, um das Leben zu genießen.“

Thay Phap Xa

Gute Alternativen brauchen neue Perspektiven

Nach der Mittagspause tauchen die Teilnehmer*innen in fünf parallel stattfindenden Sessions noch tiefer in das Lab-Thema „Langsamer ist mehr“ ein.

Ökonomin Sara Feiner Solís beleuchtet in ihrem interaktiven Vortrag das derzeitige Maß für Wohlstand und wirtschaftlichen Erfolg, das Bruttoinlandsprodukt (BIP): Was versteckt sich dahinter, wie wird es gemessen, was bedeutet exponentielles Wachstum? „Das BIP orientiert sich ausschließlich am Markt. Soziale und ökologische Aspekte werden nicht berücksichtigt,“ bemängelt die Ökonomin. Und stellt Alternativen dazu vor: die Zero-Growth-Wirtschaft oder die Postwachstumsökonomie. Diese würden sich besonders für Gesellschaften wie Deutschland mit vielen Gütern und Dienstleistungen eignen.

Mit Alternativen zum BIP beschäftigt sich auch Walter Kern von der Gemeinwohlökonomie im Workshop „Raus aus dem Hamsterrad“. Er zitiert zu Beginn Robert Kennedy: Das BIP misst alles, außer dem, was das Leben lebenswert macht. „Die Menschen sind nicht überzeugt, dass mehr Wirtschaftswachstum zu mehr Lebensqualität führt“, konstatiert Kern. Als mögliche Alternative zieht er z.B. die nachhaltigen Entwicklungsziele der Vereinten Nationen (SDGs) und deren Indikatoren heran. Diese Herangehensweise ermögliche einen ganzheitlichen Blick auf das Gemeinwohl, der sich nicht auf Wirtschaftswachstum und die materielle Kaufkraft beschränkt.

Weg vom Wachstumsdogma?

Dass Wachstum oder Beschleunigung nicht per se schlecht sind, veranschaulichen Michaela Reithinger und Christin Büttner von Fairtrade Deutschland. Denn wie sich am Beispiel des Rosenanbaus in Kenia zeigen lasse, fördere wirtschaftliches Wachstum auch Entwicklungsprozesse: mehr Bildungschancen, Gesundheit und Geschlechtergerechtigkeit. In dem Workshop „Zeit für Blumen“ lernen die Teilnehmer*innen von Florist Bernd Steiner außerdem, selbst mit Fairtrade Rosen und guten Materialien eine frühlingshafte Blumenkomposition zu kreieren. „Die erste Achtsamkeitsübung ist das Sammeln von Zweigen“, so Steiner. „Und mit Blumen tut man etwas Gutes, deshalb ist es auch wichtig, gute, faire Blumen zu kaufen“.

Weniger Stunden pro Tag arbeiten ist für Lasse Rheingans, CEO der Unternehmensberatung Rheingans, ein Weg hin zu guter Arbeit, mehr Motivation und zu einer wertschätzenden Arbeitsatmosphäre. Er führte in seiner Agentur den 5-Stunden-Tag bei vollem Gehalt ein. „Gute Arbeit für einzelne Menschen ist die Arbeit, die ihnen Energie zurückgibt“ sagt Rheingans. „Wir brauchen ein anderes Arbeiten, sinnhaft, mit einer guten Kultur, denn Zeit und Produktivität haben nichts miteinander zu tun.“ Und nicht nur in der Arbeitswelt geht es letztlich um die Frage, in welcher Gesellschaft wir eigentlich leben wollen. Seine Ideen für einen Kulturwandel in der Arbeitszeit könnt ihr in der aktuellen Folge des Podcast FAIR „New Work – Entschleunigte Arbeit“ nachhören, die beim Guten Geld Lab live aufgezeichnet wurde.

Auch unser Finanzsystem muss menschlicher und nachhaltiger werden, eine der Kernaussagen aus dem Workshop „Alles prima mit dem Klima“ von Friedhelm Boschert und Klemens Höppner vom Mindful Finance Institut. Sie drehen mit den Teilnehmer*innen im Simulationsmodell En-Roads an verschiedenen Stellschrauben zur Begrenzung der Erderwärmung. „Schaffen wir dies überhaupt?“ macht sich zwischendurch Unsicherheit breit. Am Ende sind sich die Teilnehmer*innen einig, dass das 1,5 ° C-Ziel machbar ist – mit einem Bündel von intelligenten Klimamaßnahmen weltweit.

Gutes Geld Lab 2022

„Wir müssen daran glauben“

Das Gute Geld Lab 2022 zeigt Lösungsansätze für die Transformation in verschiedenen Lebensbereichen auf. Jetzt ist es an uns, loszugehen und aktiv zu werden. Ganz im Sinne von Sara Feiner Solis: „Wir müssen daran glauben und uns dafür einsetzen, dass es ein anderes System gibt als das bestehende. Die Alternative wäre aufgeben und dann geht es niemandem besser!“

Danke, dass ihr dabei wart und das Lab mit euren Ideen reich und rund gemacht habt!

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