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Gemeinsam #Fairerleben - Experiment Teil 3

Gemeinsam #Fairerleben - Experiment Teil 3

30. September 2020 - von Marc Ehrmann - 0 Kommentare

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Wie kann ich energetisch sinnvoll sanieren? Wo werde ich am besten meinen Elektroschrott los? Und was hat es mit den gelben Bändern an den Obstbäumen im Park auf sich? Marc Ehrmann, Werkstudent bei der Oikocredit-Geschäftsstelle in Stuttgart studiert und testet in der Fairen Woche verschiedene Ansätze für ein faireres Leben.

Meine Liste ist lang. Ich habe mir so viel vorgenommen, was ich in der Fairen Woche während unserer Aktion #fairerleben ausprobieren möchte. Ob die Zeit für alles reicht? Ich starte mit einem Thema aus meinem aktuellen Alltag: der Wohnungssanierung.

Richtig sanieren

Zur Vorbereitung recherchiere ich im Internet. Was ich lese, überrascht mich: Knapp 90% des Energieverbrauchs in Privathaushalten in Deutschland sind auf Heizung und Warmwasser zurückzuführen. Rund drei Viertel davon entfallen auf die Raumwärme. Ich lerne, dass die Wärme vor allem durch Fenster, Wände, Dächer, Türen oder über den Fußboden verloren geht. Auch entsprechen viele Heizkessel nicht mehr dem aktuellen Stand der Technik. In der Wohnung, die ich gerade saniere, entdecke ich auch ein paar Bausünden… Zum Glück bieten die Verbraucherzentralen zu verschiedenen Themen diesbezüglich Beratungsangebote an. Auch ein Energieberater kann sich lohnen – die Ergebnisse sind oftmals verblüffend.

Ich habe gelernt: Teilweise lässt sich auch schon mit kleineren baulichen Maßnahmen etwas erreichen. Wer kein Eigentümer ist, kann die Vermieter darauf ansprechen. Denn auch diese tragen Verantwortung und stehen meiner Meinung nach in der Pflicht. Wenn sich baulich gar nichts machen lässt, kann man auch durch das eigene Verhalten einiges an Energie und somit auch an Geld einsparen: z.B. durch richtiges (Stoß)Lüften oder durch das Senken der Raumtemperatur um 1-2 Grad. Ein Grad weniger spart bereits ca. 6% Heizenergie ein!

Handys zurück in den Kreislauf bringen

Als nächstes werfe ich einen Blick in meine Schublade und entdecke dort mein allererstes Handy. Ein bisschen nostalgisch werde ich bei dem Anblick schon. Aber muss ich das wirklich als Erinnerung behalten? So wie mir geht es scheinbar auch vielen anderen Leuten: rund 200.000.000 ungenutzte Mobiltelefone liegen in Deutschlands Schubladen. Damit bleiben auch viele wertvolle Rohstoffe ungenutzt. Das Problem dabei: Die ohnehin knappen und daher wertvollen Ressourcen müssen oft mit dramatischen Folgen für die Umwelt gewonnen werden. Auch arbeiten in diesem Sektor oft Menschen unter absolut unwürdigen Bedingungen. Daher ist es sinnvoll, die Ressourcen aus ausrangierten Handys zu gewinnen und wieder dem Wertstoffkreislauf zuzuführen. Denn: Wir streben zwar eine Kreislaufwirtschaft an, diese ist aber oftmals eine Einbahnstraße. Damit der Kreislauf gelingt, können wir alle unseren Beitrag leisten.

Achtung bei der Entsorgung: Oftmals wird Elektroschrott trotz Exportverbot nach Asien oder Afrika exportiert und dort unter fragwürdigen Bedingungen recycelt. Also informiere ich mich und stoße auf die Handyaktion der Nachhaltigkeitsstrategie Baden-Württemberg. Das ist eine seriöse Initiative, bei welcher der Erlös in nachhaltige Bildungs- und Gesundheitsprojekte in Afrika fließt. Wer möchte, kann eine Box der Handysammelaktion bestellen und selbst sammeln: z.B. im Verein oder im Büro. Ich weiß, dass eine solche Box bei uns im Weltladen steht. Mit mehreren Handys und einer Powerbank mache ich mich auf den Weg dorthin und gebe die Geräte guten Gewissens ab.

Sortenvielfalt erhalten

Weiter geht’s mit meinem Lieblingsthema: dem Garten. Dort fängt alles Leben mit einem kleinen Samenkorn an. Kaum zu glauben, dass große Nahrungsmittelkonzerne hierauf Patente erheben. Das Hauptkriterium hierbei meist: Die Marktfähigkeit (dazu zählen die Haltbarkeit, die "Matschresistenz", die Größe und Form etc.) und vor allem der Ertrag unter optimalen Bedingungen (zumeist bedeutet dies: Gewächshaus + synthetische Düngemittel). Dadurch wird die Vielfalt enorm eingeschränkt. Erschreckend: In den letzten 150 Jahren sind drei von vier Gemüsesorten aus unseren Gärten verschwunden. Eine Vielfalt, die für immer verloren ist. Stattdessen sind F1 Hybride auf dem Vormarsch, also Saatgut, aus welchem man keine eigenen Samen mehr gewinnen kann, ohne ihre sortentypischen Eigenschaften einzubüßen. In der aktuellen Südzeit habe ich einen kurzen Artikel zur Studie über die gescheiterte "Grüne Revolution" (AGRA) gelesen. Dort steht: Durch die Verdrängung traditioneller, klimaresistenter und nährstoffreicher Nahrungsmittel durch Hochleistungssaatgut und synthetischer Düngemittel fiel die Zahl der Menschen, die unter extremem Hunger leiden, nicht. Im Gegenteil: Sie stieg um 30% an.

Marc Ehrmann

Was kann ich also konkret tun? Ich durchstreife meinen Garten und stelle fest: Ich kann hier jede Menge Saatgut gewinnen und mit Freund*innen und Bekannten tauschen! Also mache ich mich gleich ans Werk. Samen geerntet, getrocknet, verpackt in ein Tütchen und ab in den Briefkasten!

Lebensmittelverschwendung vermeiden

Als ich neulich im Park spazieren war, sind mir gelbe Bänder an manchen Bäumen aufgefallen. Jetzt habe ich herausgefunden, dass es sich bei den Bäumen um Obstbäume handelt, die nicht von den Besitzern abgeerntet werden. Zur Kennzeichnung binden die Obstbaumbesitzer*innen im Landkreis Esslingen (und andere Landkreise folgen dem Beispiel) ein gelbes Band an die Stämme. Dadurch wird der Ertrag in diesem Jahr zum Allgemeingut und zum Beernten freigegeben. Dafür hat der Landkreis übrigens den "zu gut für die Tonne" Bundespreis 2020 gewonnen.

Also ab in den Park. Ich schnappe mir eine Leiter und einen Eimer und ernte ein paar Äpfel für den eigenen Verbrauch. Nicht zu viel – denn sie sollen ja nicht verderben.

Gemeinsam für ein faireres Leben

Nach der Aktionswoche kann ich sagen, dass es viele Möglichkeiten gibt, fairer zu leben. In so vielen Bereichen gibt es Alternativen. Ich finde, jede Person muss bei sich selbst anfangen und entscheiden, welche Möglichkeiten für ihn oder sie umsetzbar sind. Und wer dann etwas Gutes entdeckt oder tut, sollte andere darüber informieren, darüber sprechen und zusammenarbeiten. Dann haben alle was davon. Und nicht zuletzt unsere Umwelt und Mitmenschen.

 Quellen:

https://www.bmu.de/themen/klima-energie/energieeffizienz/gebaeude/
https://www.verbraucherzentrale-bawue.de/energie/gebaeudecheck-16799
https://www.test.de/Serie-Energie-sparen-Teil-4-Heizkosten-Reduzieren-ohne-frieren-1734645-0/
https://www.handysammelcenter.de/news/200-millionen-ungenutzte-deutsche-handys/
https://www.handy-aktion.de/
https://www.br.de/radio/bayern1/saatgut-tauschen-100.html
https://www.weltagrarbericht.de/themen-des-weltagrarberichts/saatgut-und-patente-auf-leben.html
https://www.greenpeace.de/themen/landwirtschaft/patente

Mehr lesen:

#fairerleben-Experiment Teil 1: Lisa Schiller hat gute Vorsätze, aber stellt fest, dass Vorhaben und Realität nicht immer vereinbar sind.
#fairerleben-Experiment Teil 2: Über die Theorie des geringsten Widerstands macht sich Corinna Groß in ihrem Text Gedanken.

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