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Peru ist nicht verloren

Peru ist nicht verloren

Von Kurzarbeitergeld, Männereinkaufstagen und gestundeten Stromrechnungen

8. Mai 2020 - von Ulrike Pfab - 0 Kommentare

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Auch in Peru stellt das Coronavirus Regierung, Wirtschaft und Gesellschaft auf eine harte Bewährungsprobe. Was ist wichtiger? Das Recht auf Gesundheit oder das Recht auf Nahrung? Die Hälfte der Bevölkerung fürchtet nach acht Wochen Shutdown mehr den Hunger als die Gefahr einer Ansteckung. Dabei gehört Peru zu den Ländern mit der höchsten COVID-19 Todesrate in Südamerika. Ein Bericht von Annie Carolina Solís-Escalante aus Peru und Ulrike Pfab.

Seit sechs Jahren ist Annie Solis mit mir über Facebook befreundet. Persönlich kennengelernt habe ich die Peruanerin bei der Oikocredit-Generalversammlung im Juni 2014 in Piurá, Nordperu. Sie war dort als Vertreterin der Methodistischen Kirche in Peru, die eines von rund 600 Direktmitgliedern der Genossenschaft Oikocredit ist.

Piura.jpg

Auf meine Bitte letzte Woche, mir zu schildern, wie Annie die Situation in ihrer Heimat empfindet und was dort zum Schutze der Bevölkerung unternommen wurde, hat sie umgehend und sehr ausführlich geantwortet. Die Informationen von Annie sind Stand 6. Mai – die Welt verändert sich dieser Tage ja rasant…  

Shutdown in Peru

Bereits Mitte März hat Peru erste Ausgangssperren verhängt – neun Tage nachdem vermutlich ein junger Peruaner das Coronavirus von einer Reise nach Europa mitgebracht hatte. Die Regierung hat also schnell reagiert. Landesgrenzen wurden geschlossen, die Mobilität stark eingeschränkt – das gilt auch für Transporte zu Land, Wasser und in der Luft. Wie in Deutschland wurden auch in Peru die Hygienemaßnahmen verstärkt. Das gestaltet sich in Peru allerdings insofern als schwierig, da es nicht überall eine gute Wasserversorgung und Sanitäranlagen gibt. Und natürlich fehlt vielerorts schlicht das Geld, um Hygieneartikel einzukaufen.

Ein weiteres Problem: Wie in vielen Ländern dieser Welt ist auch in Peru das Gesundheitssystem in einem schlechten Zustand. Landesweit gibt es nur 500 Intensivbetten - und diese sind fast alle in der Landeshauptstadt Lima. Zudem fehlen Beatmungsgeräte und Schutzkleidung. Doch auch in Peru wurde improvisiert. So wurde z.B. in Lima ein großes Sportareal umgebaut, um dort Infizierte zu isolieren. Inzwischen haben auch lokale Produktionen umgestellt, um Beatmungsgeräte, Masken und andere dringend benötigte Ausrüstung herzustellen. Nach acht Wochen Quarantäne stehen in der offiziellen Statistik rund 67.000 Infizierte, wobei die Zahlen derzeit täglich um 7-9 Prozent steigen.

Gescheiterte Maßnahme: Männer- und Fraueneinkaufstage

Nicht alle Maßnahmen der Regierung waren zielführend. Ein Versuch, die Mobilität nach Geschlechtern zu trennen, wurde bald wieder aufgegeben. So galt ab Anfang April, dass Männer nur montags, mittwochs und freitags, Frauen nur dienstags, donnerstags und samstags auf die Straße gehen dürfen, um ihre lebensnotwendigen Einkäufe zu erledigen. Eine Maßnahme, die sich leichter überwachen lässt und unkomplizierter ist, als Passierscheine auszugeben. Funktioniert hat das nicht, denn in Peru ist "machismo" immer noch weit verbreitet. Einkaufen ist meist Frauensache. Sie wissen, was sie zum Kochen brauchen und vor allem, was es kosten darf. Gerade jetzt, wo viele Familien jeden Pfennig umdrehen müssen, muss der Einkauf wohl überlegt sein.

Personal Desinfectation Cabins in big grocery markets. Celso Roldán - AFP - via Getty images.jpg

Um die Ausbreitung von Covid-19 zu verlangsamen, wurde auch in Peru die Wirtschaft systematisch heruntergefahren. Mitte März waren Aktivitäten nur noch in systemkritischen Sektoren erlaubt: Gesundheitswesen, Nahrungsmittelproduktion, Sicherheit, Reinigung, Banken und Versicherungen, Tankstellen, Medien und humanitäre Einrichtungen. Gleichzeitig hat die Regierung das größte Hilfspaket in der Geschichte Perus aufgelegt. Mit ihrem Programm “Reactiva Peru” bietet der Staat Hilfskredite in einem Umfang von 30 Mrd. Soles (10 Mrd. USD), um die Wirtschaft zu stützen. Im ersten Jahr sind die Kredite zins- und tilgungsfrei, sie müssen aber innerhalb von drei Jahren zurückgezahlt werden. Schon jetzt ist allerdings klar, dass die Wirtschaft 2020 schrumpfen wird. Derzeit wird das Minus auf 4%  geschätzt. Auch die Arbeitslosenrate wird steigen. Daher wurden inzwischen wieder 27 Wirtschaftszweige freigegeben – mit Gesundheits- und Hygieneauflagen. Ob die Regierung diese jedoch ausreichend kontrolliert wird, ist fragwürdig.

Unterstützung durch die Regierung

Eine Frage, die auch viele Oikocredit-Anleger*innen immer wieder umtreibt, ist: Was passiert mit Menschen, die von der Hand in den Mund leben, die über keine Rücklagen zur Überbrückung von Einkommensengpässen verfügen? In einem Land wie Peru, in dem rund 20 Prozent der Bevölkerung unter der nationalen Armutsgrenze lebt (auf dem Land sind es knapp die Hälfte der Bewohner), sind natürlich andere staatliche Unterstützungsmaßnahmen nötig als in Deutschland.

So wurden vielerorts über die lokalen Behörden Nahrungsmittel geliefert und verteilt. Zudem konnten Zahlungen für Wasser, Strom, Gas und Telekommunikation gestundet werden.

Für einkommensschwache Menschen gab es von der Regierung Hilfszahlungen. Für Angestellte, die weniger als umgerechnet 450 USD verdienen und coronabedingt Arbeitsausfälle hatte, gab es im April die Möglichkeit, Kurzarbeitergeld (35%) anzufordern, um das Gehalt auf 100% aufzustocken. Mehr als 11.000 Unternehmen haben das Kurzarbeitergeld beantragt.

Zudem gab es Zuschüsse von umgerechnet 230 USD (das entspricht etwa 80% des Mindestlohns) für extrem arme Haushalte in städtischen Gebieten. Nach anfänglichen Schwierigkeiten erhielten rund sieben Millionen Haushalte den Bonus. Auch Rentenzahlungen können verfrüht abgerufen werden.

Durch staatliche Unterstützung und die Solidarität der Menschen konnten Bedarfe an Nahrung, Wasser und Schutzmaterial gedeckt werden. Die Pandemie hat aber auch deutlich die Mängel und Schwachstellen des peruanischen Systems aufgedeckt – durch die vor allem Randgruppen und besonders verletzliche Menschen fallen.

Returnees - Getty imagest.jpg

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