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Soziale Wirkung auf sechs Quadratmetern

Soziale Wirkung auf sechs Quadratmetern

18. Dezember 2018 - von Marion Wedegärtner - 0 Kommentare

Für die einen ist der informelle Sektor ein kreatives Überlebensmodell, ein anderer Weg, für andere die Ökonomie des Elends¹. ProEmpresa bezieht ebenso eindeutig wie praktisch Stellung und betreibt programmatisch das Projekt, informelle in formelle Arbeitsplätze zu verwandeln. Ein Beispiel: Der Einkaufsmarkt in Ate.

Informelle Arbeit in formelle zu transformieren ist eins der Ziele der Oikocredit-Partnerorganisation Financiera ProEmpresa. Das hat uns Raul Filomeno, der uns als Vertreter der Organisation begleitet, bereits am Vormittag in der Filiale in Manchay erzählt. Angesichts von Millionen Menschen, die sich in der Hauptstadt Perus mit informellen Tätigkeiten über Wasser halten, ein ambitioniertes Projekt. Rund zwei Drittel der Bevölkerung in Peru arbeiten laut Angaben der auch in Lima tätigen Friedrich-Ebert-Stiftung im informellen Sektor. Allein Hunderttausende sogenannter „ambulantes“ sind als Straßenhändlerinnen - und händler in Lima unterwegs. 1.600 von ihnen haben unter dem Dach des Einkaufsmarkts in Ate eine feste Bleibe und ein gesichertes Einkommen gefunden – zahlen allerdings auch zum ersten Mal Steuern. „Es ist nicht so, dass alle Straßenhändler*innen extrem arm sind, sie können durchaus auch gut verdienen“, sagt Raul Filomeno auf dem Weg nach Ate.

Raul Filomeno von ProEmprasa mit einem von zwei Kredit-Teams der Mikrofinanzinstitution: Ein Team analysiert und entscheidet über die Kredite. Das andere Team ist in Manchay unterwegs und akquiriert neue Kund*innen.

Von der Straße in die Markthalle

Ate, oder auch Ate Vitarte, ist einer von 43 Bezirken Limas. Er erstreckt sich weit bis in den Osten der Metropole und ist stark von Gewerbe geprägt. Auf dem Parkplatz neben einer Markthalle halten wir an. Schon vor der offiziellen Rush Hour sind die Straßen hoffnungslos überfüllt, Motorenlärm, Hupen und das Aufheulen von Polizei oder Ambulanz formieren sich zum Begleitsound. „Vor etwas mehr als zehn Jahren haben an dieser Stelle Hunderte Händlerinnen und Händler die Straße besetzt. Als die Regierung beschloss, die Straße auszubauen, mussten sie weichen und wurden vertrieben.“ Aus diesem Grund habe ProEmpresa 2008 beschlossen, eine alte Fabrikanlage zu kaufen und den Händler*innen jeweils sechs Quadratmeter Grundfläche für ihr eigenes Geschäft angeboten. Im nächsten Schritt wurden Metallboxen als Verkaufsstände errichtet. Fast drei Jahre hat es gedauert, bis aus der aufgelassenen Fabrik dieses große übersichtliche Einkaufsareal wurde, eins der größten seiner Art, wie Raul Filomeno nicht ohne Stolz betont.

Eine Obsthändlerin in der Markthalle von Oikocredit Partner ProEmprasa in Ate.

Dritte Phase: Es wird aufgestockt

Man bekommt alles. Elektronik, Kleidung, Nahrungsmittel, Stoffe, Weihnachtsdekoration. „Wir sind mit 600 Händlerinnen und Händler gestartet. Wir haben Individualkredite vergeben, auch wenn sich inzwischen viele Händlerinnen und Händler nach Sektoren zusammengeschlossen haben.“ 1.200 Dollar mussten sie für die sechs Quadratmeter zahlen. „Heute sind die Boxen 40.000 Dollar wert“, sagt Raul Filomeno.

In der Markthalle finden die Kund*innen Waren für den täglichen Bedarf.

In einem nächsten Schritt soll der Marktplatz ausgebaut werden. „In die Vertikale“, wie häufig in Lima. Es wird aufgestockt. Um ein, zwei Etagen können die Metallboxen erweitert werden. „Das schwierigste ist der Abstimmungsprozess, wir müssen einen Konsens über den Ausbau mit inzwischen 1.600 Kundinnen und Kunden hier finden. Also verhandeln wir mit den Abteilungsleiterinnen und -leitern“, sagt Raul Filomeno. Die Finanzinstitution ist mit einer kleinen Filiale direkt vor Ort vertreten. Noch immer sind Kredite für den Geschäftsausbau erwünscht, „drei bis fünf Kredite täglich“. Daten über die Geschäftstätigkeit ihrer Kundinnen und Kunden habe ProEmpresa nicht, sagt Filomeno, aber die Entwicklung sei ja sichtbar.

In der Markthalle von Ate können die Kund*innen auch zu Mittag essen.

Raul Filomeno: „Der Markt ist ein gutes Beispiel dafür, wie wir wirtschaftliche und soziale Wirkung erreichen. Wir haben einen formalen Einkaufsmarkt geschaffen, die Unternehmerinnen und -unternehmer zahlen Steuern und haben einen in jeder Hinsicht sicheren Arbeitsplatz.“

¹ siehe auch: https://www.zeit.de/1989/50/oekonomie-des-elends

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