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Neue Chancen schaffen: Besuch bei unserem Fairhandelspartner CARF

Neue Chancen schaffen: Besuch bei unserem Fairhandelspartner CARF

4. Juli 2017 - von Pauline Opmeer - 0 Kommentare

„Nein, ich habe keine Träume – ich lebe von Tag zu“, sagt Valeria, als ich sie nach ihren Träumen für die Zukunft frage. Ihre Antwort überrascht, denn sie hat mir gerade von ihren Plänen erzählt, Physiklehrerin zu werden. Es stellt sich heraus, dass sie schon so lange davon träumt, Lehrerin zu sein, dass diese Träume Teil ihrer selbst sind und kein weit entferntes zukünftiges Ziel.

Warum gehen wir selbstverständlich davon aus, dass Menschen Träume und Ziele brauchen? Sind sie eine unabdingbare Voraussetzung für Glück oder ein erfülltes Leben? Letztlich ist es doch so: Wenn jemand sagt, dass er oder sie keine Träume hat, dann bedeutet das für gewöhnlich, dass sie tagein, tagaus um das Lebensnotwendigste kämpfen: Essen auf dem Tisch und ein Dach über dem Kopf. Erst wenn die Grundversorgung gedeckt ist, haben die Menschen den Kopf frei für Träume. Und deswegen fragen wir sie nach ihren Träumen.
Und welche Ziele, Wünsche oder Träume haben wir hier bei Oikocredit? Ein Besuch bei CARF, eine der Genossenschaften von Manos, mag uns diese Frage beantworten.

Patricia Leivas Sosa, 42, färbt und trocknet Wolle bei Manos.

Mit Unterstützung von Virginia Juele, Oikocredits Kommunikationsfachfrau für Südamerika, unterhielten wir uns mit einigen Mitgliedern der Genossenschaft zu ihrem Leben und ihren Träumen.

Manos & CARF
Zunächst noch ein paar Worte dazu, wie Manos und die darin zusammengeschlossenen Genossenschaften arbeiten. Manos del Uruguay ist eine gemeinnützige Organisation, die in Uruguay hochwertige Wollprodukte – überwiegend für den Export – herstellt. Sitz und Verkaufsabteilung befinden sich in der Hauptstadt Montevideo. Im ganzen Land arbeiten die Genossenschaften an den Designs und liefern auf Bestellung die fertigen Kleidungsstücke, die Manos dann ins Ausland exportiert. Die Genossenschaften verarbeiten und färben die Wolle, weben die Stoffe (u. a. für bekannte Marken wie Gabriela Hearst und Ulla Johnson) und stricken Pullover, Ponchos und andere Kleidungsstücke.


CARF in Fraile Muerto ist eine der Genossenschaften, die die Wolle spinnt und anschließend ein- oder mehrfarbig färbt. Elf Mitglieder gehören der CARF an. Einige dieser Mitglieder spinnen die Wolle bei sich zu Hause, andere färben sie, wieder andere führen die Qualitätskontrolle durch und verpacken die Produkte für den Transport nach Montevideo.

Stolze Mitglieder
Lachende Gesichter heißen uns willkommen. Wir sprechen mit vier Mitgliedern, deren Geschichten sich weitgehend ähneln: Bevor sie CARF beitraten, arbeiteten sie in der Landwirtschaft, putzten oder beaufsichtigten die Kinder von Leuten, die sich ein Kindermädchen leisten können. Ihre Männer haben entweder Bürojobs oder arbeiten auswärts auf großen Farmen. Irgendwann schlug ihnen jemand vor, Mitglied bei CARF zu werden. Dort erhielten sie zunächst eine praktische Ausbildung, und jetzt verdienen sie besser als je zuvor. Außerdem lässt sich bei CARF die Arbeit flexibel mit der Kinderbetreuung vereinbaren. Nicht zuletzt vermittelt die Genossenschaft ihre Mitgliedern wertvolle betriebswirtschaftliche Kenntnisse, soziale Kompetenz und Teamfähigkeit. Alle Mitglieder sind zu Recht stolz darauf, wie weit sie es bereits gebracht haben. Sie arbeiten als Team, aber ihre Träume und Ziele sind verschieden.


Janet, Patricia, Valeria und Blanca
Janet Caballero Novo, 59, die Direktorin von CARF, konnte dank Manos bereits viele ihrer Träume in die Tat umsetzen. Janet wurde nicht nur Kunsthandwerkerin, sondern auch Direktorin und Vorstandsmitglied. Überdies hatte sie Gelegenheit, das ganze Land zu bereisen. Bis zu ihrer wohlverdienten Rente will Janet weiter für Manos arbeiten und dann den Ruhestand genießen.


Patricia, verheiratet und drei Kinder, färbt am liebsten Wolle, denn diese Arbeit wird recht gut bezahlt. Ihr ältester Sohn ist 23 und studiert Buchhaltung in Montevideo. Binnen eines Jahres wird auch ihre 21-jährige Tochter ausziehen, um zu studieren. Dann wird nur noch ihr Neunjähriger daheim sein. Es ist Patricia wichtig, dass all ihre Kinder eine gute Ausbildung erhalten. Sie selbst würde gerne einen Kleinwagen kaufen und damit Uruguay erkunden.


Valeria besucht montags und dienstags eine pädagogische Hochschule in Melo, um Physiklehrerin zu werden – flexible Arbeitszeiten bei CARF machen es möglich. Sobald sie ihr Studium abgeschlossen hat, wird sie die Genossenschaft allerdings verlassen, da sie nicht beides machen kann. „Aber wenn nötig, kann ich gerne aushelfen“, fügt Valeria hinzu.


Auch Blanca Rodriguez, 49, ist ein Mitglied von CARF. Vor vier Monaten verlor sie ihren Mann. Sie möchte, dass ihre Kinder es in ihrem Leben zu etwas bringen. Für sich selbst wünscht sie sich, zu reisen und mehr über ihr Land zu erfahren. Blanca will so lange für Manos arbeiten, bis sie in Rente geht.

Blanca Rodriguez, 49, eine Mitarbeiterin bei Manos. Blanca ist für Produktion und Export zuständig.


Raum für Träume
Diese Geschichten sprechen für sich selbst. Manos und seine Genossenschaften schaffen ein Umfeld, in dem Frauen zusammenarbeiten und so ihre Ziele realisieren können. Für die eine mag das eine Karriere bei Manos sein, für die andere ein Einkommen, mit dem sie die Ausbildung ihrer Kinder finanzieren kann, ein Auto, um Uruguay zu erkunden, oder Gelegenheit zu einer Ausbildung für eine Laufbahn außerhalb der Genossenschaft. Manos schafft Chancen.
Eins ist klar: Manos‘ Mitglieder brauchen sich von niemandem sagen zu lassen, was ein gutes oder sinnvolles Ziel ist. Das können sie ganz allein für sich selbst entscheiden.

Über Manos des Uruguay
Manos del Uruguay ist eine Nonprofit-Fairhandelsorganisation, die 1968 gegründet wurde. Sie hat das Ziel, wirtschaftliche, soziale und kulturelle Chancen und Beschäftigungsmöglichkeiten für Frauen in ländlichen Gebieten zu schaffen. Sie sollen in ihren Heimatorten bleiben können, ihren Lebensunterhalt verdienen und sich weiterentwickeln können. Die Frauen von Manos del Uruguay färben Wolle und entwerfen und stricken Kleidung – sowohl für den lokalen Markt als auch für bekannte internationale Modemarken.


Manos del Uruguay arbeitet seit 2009 mit Oikocredit zusammen; kurz danach wurde sie als Fairhandelsorganisation von der WFTO zertifiziert.


Die fertigen Produkte von Manos del Uruguay kann man online bei www.manos.com.uy/tienda kaufen.
Firmen, die in den Niederlanden, Deutschland, Großbritannien und Skandinavien mit den Garnen von Manos handeln, finden Sie hier: www.manosyarns.com


Über Pauline
Pauline Opmeer ist eine niederländische Fotografin. Mit ihrem Mann Wim, ebenfalls ein Fotograf, reist sie seit 2010 um die Welt, um über Oikocredits Partnerorganisationen zu berichten. Ebenfalls seit 2010 arbeitet das Paar gemeinsam unter dem Namen Opmeer Reports. Ihre Fotos und Videos haben nachhaltige Entwicklung, Mikrofinanz und soziales Unternehmertum zum Thema. Pauline berichtet regelmäßig über Oikocredits Partner und deren Kundinnen und Kunden auf Oikocredits Blog.

Credits: Opmeer Reports

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