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Die Herrin der Muscheln

Die Herrin der Muscheln

2. März 2017 - von Maike Majewski - 0 Kommentare

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Nun bin ich schon zwei Wochen zurück von den Philippinen und lerne noch immer dazu. Ich sitze auf meinem Sofa und sortiere all die Notizen und Gedanken. Ein Sofa ist ein Gegenstand auf dem PPI-Fragebogen (Progress out of Poverty Index), mit dem bei den Ärmsten der Armen erfasst wird, ob sie oberhalb der Armutsgrenze von 1,25 $ am Tag sind, oder noch darunter. Ein Sofa ist eben nicht überlebensnotwendig. Es ist ein Luxus wie fließend Wasser, das man tatsächlich trinken kann, eine Toilette im Haus oder gar eine Dusche. Auf der Study Tour 2017 hat meine Gruppe nur eines der Dörfer besucht, in dem unsere Partnerorganisation Negosyong Pinoy Finance Corporation vor Ort damit arbeitet, um durch Mikrokredite an die Frauen diesen Familien einen Weg aus der Armut zu ermöglichen. Alle anderen Klienten waren sogenannte SMEs (small and medium enterprises), also kleine und mittelgroße Betriebe. Nicht ganz das, was ich erwartet hatte.

   

Als wir bei Maridol Juanich zu Besuch waren, hatte ich mich gefragt, was ihre Firma denn wohl mit nachhaltiger Entwicklung zu tun hat. Ihre Angestellten verpacken Muscheln in kleine Körbchen oder stellen mehr oder weniger kitschigen Nippes daraus her, der dann an den Küsten Europas als Souvenirs verkauft wird. Mir begegnete eine selbstbewusste Geschäftsfrau, die ihren Laden im Griff hat, eine Herrin über ein Meer von Muscheln. Im Interview sprachen wir über ihre Zukunftspläne. Sie kann es sich nicht vorstellen, irgendwann in Rente zu gehen, denn wer würde dann die Firma führen? Eines Tages ohne Kredite auszukommen, das ist ihr Traum. Sie schien sich für unentbehrlich zu halten und war mir nicht wirklich sympathisch.

Das Programm der Reise war dicht gepackt, da hatte ich das Kundenprofil, das uns der Oikocredit-Partner Negosyong Pinoy Finance Corporation sehr professionell zusammengestellt hat, nur kurz überflogen. Jetzt lese ich es noch einmal gründlich, und erst jetzt verstehe ich den Kontext unseres Besuches. 13 der 23 Angestellten von Frau Juanich sind Frauen, die gerade einmal die Grundschule abgeschlossen haben und damit kaum auf eine feste Anstellung hoffen konnten. Sie zahlt ihnen mehr als den ortsüblichen Mindestlohn, gibt ihnen zudem ein 13. Monatsgehalt und Weihnachtsgeld und behandelt sie auch sonst fair. Außerdem zahlt sie Sozial- und Krankenversicherungsbeiträge und Steuern, was auf den Philippinen längst nicht alle Arbeitgeber tun. Sie hat also 23 gute Arbeitsplätze geschaffen und hat nicht vor, diesen Erfolg zu gefährden, nur weil sie älter wird. Statt vom Ruhestand träumt sie davon, auf ihrem eigenen Gelände Wohnungen für die Angestellten zu bauen, die jetzt oft keine sichere Bleibe haben. Wir haben das überall gesehen: Häuser am Strassenrand, die aus allen möglichen Materialien zusammen gezimmert sind und dem dort häufigen Sturm und Starkregen kaum standhalten. Etwa 100 weitere Haushalte arbeiten für sie in Heimarbeit und bekommen so ein Auskommen. Und Souvenirs waren nicht immer ihr Produkt. Früher hat sie Möbel für den heimischen Markt hergestellt, aber das hat sich leider nicht rentiert. Wir leben in einer verrückten Welt, in der hübsche Dinge mehr Wert sind als nützliche, dafür kann Frau Juanich nichts. Sie hat all die Rückschläge, von denen sie uns erzählt hat, weggesteckt und immer hart gearbeitet, um nicht nur für sich selbst, sondern auch für eine zunehmende Zahl von Angestellten ein gutes Leben zu erwirtschaften. Wenn ich jetzt so über diese Frau nachdenke, bin ich beeindruckt. 

Zum Abschied hat sie mir eine Muschel geschenkt, die mich wohl in Zukunft immer daran erinnern wird, dass man vieles erst besser versteht, wenn man sich Zeit nimmt, auf die Details zu achten und etwas länger darüber nachzudenken.

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