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Peru: Zwischen Entwicklungsmotor und Überlebensmittel

Peru: Zwischen Entwicklungsmotor und Überlebensmittel

27. Juni 2014 - von Karl Hildebrandt - 0 Kommentare

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Mikrokredite standen im Blick bei einem der vier Projektbesuche während der Woche der Oikocredit Generalversammlung im Norden Perus. Begegnungen mit Kreditnehmern und die Frage, was die kleinen Darlehen in ihrem Leben bewirken können. Bei Confianza konnten wir schlaglichtartige Eindrücke gewinnen.

Financiera Confianza entstand 1998 und ist inzwischen mit über 500.000 Kundinnen und Kunden eine der größten, staatlich regulierten Mikrofinanzinstitutionen des Landes. Oikocredit unterstützt Confianza mit einem aktuellen Darlehen in der Landeswährung Nuevo Sol (PEN) von umgerechnet 4 Mio. Euro und ist außerdem in kleinem Maße Anteilseigner.

Per Bus gelangen wir von Piurá durch die karge Küstenwüste (Costa) in die nordöstlich gelegene Stadt Tambogrande und zur dortigen Filiale von Confianza. 

Confianza-Filiale in Tambogrande, Peru

Tambogrande gilt als ein Zentrum des peruanischen Mango- und Zitronenanbaus und des Exports. Gut ein Viertel der knapp 100.000 Einwohner arbeitet hier in der Landwirtschaft und ihrem verarbeitenden Gewerbe. Angesichts dessen und auch um sich von der zunehmenden Konkurrenz zu unterscheiden, will Confianza in der Stadt und ihrem Umland noch stärker auf landwirtschaftliche Kleinkredite setzen und neben Individualkrediten auch hier Angebote für Gruppenkredite schaffen. Wir hören die Schilderungen der Mitarbeitenden, doch eigentlich zieht es mich zu den Menschen draußen und ihren Geschichten.

Nach dem Besuch bei einem Markthändler in der Stadt fahren wir hinaus, biegen auf Feldstraßen ab und gelangen ins aufwändig bewässerte Grüne. Wir begegnen dem Zitronenhändler Augusto Alvarado, der an sechs Tagen der Woche Zitronen von 30 Höfen der Umgebung auf den Weg nach Lima bringt. Sein Entwicklungsmotor steht leuchtend orange in der Mittagssonne: ein neuer, chinesischer Lastentransporter. 7.000 PEN hat er dafür bezahlt, 2.000 PEN aus den eigenen Ersparnissen, 5.000 PEN aus dem Mikrokredit bei Confianza.

Confianza-Kunde Alvorado

Ein Wegstück weiter treffen wir an ihrem Haus die 35-jährige Melania Villegas mit ihrem zweiten Mann, dem Bauern Segundo Juarez (70), der vor einigen Jahren erblindete. Vier Kinder wohnen mit im Lehmhaus. Señora Juarez – vom Schicksal zur Bäuerin gemacht, was selten ist für ein Frau im Flachland Perus – betritt es von hinten, um uns lachend durch die Vordertür hineinzubitten. An Nägeln baumelnde Spielzeugpuppen, eine CD und vergilbte religiöse Poster hängen an der vor langer Zeit getünchten Wand des Hauptraumes. Die Hühner picken draußen wie drinnen – der Boden bleibt gleich. In der kargen Nacktheit dieses Hauses steht diese Frau mit den strahlenden Augen und ihrem immer wieder ausbrechenden Lachen. Señor Juarez daneben, am Gespräch beteiligt, die große Sonnenbrille im Gesicht, die Hände tief in den Hosentaschen und an den Füßen zerfledderte Gummistiefel. Nein, aus der Armut geführt haben die Mikrokredite diese Familie bisher nicht, aber sie helfen ihnen, den Alltag und das Überleben zu meistern. 

Confianza-Kundin Melania Villegas und ihr Mann

Vier Hektar Land bearbeitet das Paar mit Hilfe der größeren Söhne, die zur Schule gehen, und zwei Verwandten als Lohnarbeitern. Was wächst, klingt nach Garten Eden: Mangos, Zitronen, Limetten, Bananen, Avocado, Bohnen, Guaba-Frucht, Tamarinden und anderes mehr.

Confianza-Kundin VillegasDoch der Garten Eden, durch den uns Señora Villegas mit ihrem Mann an der Schulter dann führt, ist knochentrocken. Das Wasser aus dem fernen Reservoir, das über einen betonierten Kanal in zu den Höfen gelangt, kostet viel. Einmal pro Woche werden die handgegrabenen Rinnen auf dem hügeligen Grundstück geflutet, mit 40 Kubikmetern Wasser für 90 PEN (24 Euro). Wasser zum Trinken und für die Felder ist finanziell eine Hauptlast im Haushalt, erklärt sie, während sie uns Zitronen von den Bäumen kosten lässt.

Ihren vierten Mikrokredit hat die Bäuerin bei Confianza. 3.000 PEN, eine gut überschaubare Größe, wie sie betont. Neben 2.000 PEN von einer weiteren Organisation. Und was macht sie damit? „Trabajamos la chacra“, sagt sie, das Feld bearbeiten. Und sie erläutert uns weiter, dass sie die Darlehen vor allem braucht, um Dünger zu kaufen und damit in kleinen Mengen den Boden etwas aufzuwerten und so die Erträge zu steigern. Manchmal kann das Geld aber auch nützen, kurzfristig Löcher in der Haushaltskasse zu stopfen.

Als wir schließlich aufbrechen, verrät uns Señora Villegas einen Wunsch: Mit einer kleinen Darlehenssumme würde sie gern das Haus etwas verschönern – aber erst wenn der jetzige Kredit vollständig zurückgezahlt ist. Viel Glück dabei! 

Confianza-Kundin Villegas mit Familie

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